Donnerstag, 9. Oktober 2008

Heuschrecken - Uraufführung (B. Sulzer)

Für den Propheten Joel liegt das babylonische Exil weit zurück; der Tempel ist wieder aufgebaut (1, 13-14), Esra und Nehemia gehören der Vergangenheit an. Joel, der Prophet des beginnenden 4. Jahrhunderts, hat sich intensiv mit der Überlieferung der älteren Propheten und mit den Lehren der israelitischen Weisheit beschäftigt, er ist ein gelehrter Prophet. Aber das Vergangene interessiert ihn nur, weil er nach der Zukunft fragt, nach der endgültigen Zukunft Gottes mit seinem Volk. In seiner Zeit stehen die Zeichen auf Sturm. Eine Heuschreckenplage hat das Land so verwüstet, dass nichts übrig blieb (1, 2-12). In den Heuschrecken sieht Joel die Vorboten eines noch größeren Strafgerichts. Kein anderer Prophet hat so ausführlich wie Joel vom „Tag des Herrn“ gesprochen, dem „Tag des Dunkels und der Finsternis“ (2, 2). Es wird ein Gerichtstag für Israel und alle Völker sein. Die Botschaft des Propheten: Bekehrt euch; denn Gott ist barmherzig, vielleicht kehrt er um. Wir sollen den Ruf dieses Propheten heute auf neue Weise hören: „Lasst euch durch die katastrophale Bedrohung der Gegenwart und der Zukunft zur gänzlichen Umstellung auf die bezeugte und verkündete Barmherzigkeit Gottes bewegen!“

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